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KURZSYNOPSIS
Ein Dokumentarfilm auf den Spuren des Geheimnisses der Kreativität. Mehr als 1000 Prominente haben ihmgeantwortet, manche in Wörtern oder Sätzen, viele mit Zeichnungen oder Artefakten. Zum 30-jährigen Jubiläum bietet der Film einen faszinierenden Blickwinkel auf die „Jahrhundert-Frage“ nach der Kreativität eines jeden Einzelnen.

 

SYNOPSIS
„WHY ARE WE CREATIVE?“ zelebriert die besten Kreativen der Welt.
Der Film nimmt die Zuschauer mit auf eine unterhaltsame und u?berraschende Odyssee in die Welt der Kreativität. Der Film basiert auf dem „Why Are You Creative“-Projekt des Regisseurs Hermann Vaske und ist eine einzigartige Reise durch die verschiedenen Facetten der Kreativität: ku?nstlerisch, intellektuell, philosophisch und wissenschaftlich. Mit dabei sind Regisseure wie Wim Wenders und David Lynch, Musikerinnen und Musiker wie Björk und Bono, Ku?nstlerinnen und Ku?nstler wie Marina Abramovi? und Damien Hirst, Modemacherinnen wie Vivienne Westwood, Schauspielerinnen wie Angelina Jolie und Isabella Rossellini, Schauspieler wie Willem Dafoe, Sean Penn und John Cleese, Staatsmänner wie Nelson Mandela und Mikhail Gorbatschow, Wissenschaftler wie Stephen Hawking, religiöse Fu?hrer wie der Dalai Lama und Gesamtkunstwerke wie David Bowie. Alles in allem hat Vaske in 30 Jahren Kreativgespräche mit u?ber 50 Nobel- und Oscar®preisträgern gefu?hrt. Ein Who is Who der besten Kreativen der Welt. Was treibt sie an, ihre Ideen in Werke umzusetzen?

Titel: WHY ARE WE CREATIVE?

Drehbuch und Regie: Hermann Vaske

Produktion: Emotional Network GmbH

Kamera: Patricia Lewandowska, Evgeny Revvo, Sasha Rendulic, Stepen Ley, Nick Manley, Peter Stevenson

Schnitt: Marie-Charlotte Moreau

Sound Recording: Guy Willson, Ralf Boonen

Musik: Teho Teardo & Blixa Bargeld

Animation: Valérie Pirson & Floppy Lazare

Verleih: Rise and Shine Cinema

Weltvertrieb: Celluloid Dreams

MIT: DAVID BOWIE, MARINA ABRAMOVIC, QUENTIN TARANTINO, BLIXA BARGELD, AI WEI WEI, BJÖRK, NICK CAVE, OLIVIERO TOSCANI, VIVIENNE WESTWOOD, ANGELINA JOLIE, NELSON MANDELA, BONO, STEPHEN HAWKING, DAMIEN HIRST, JEFF KOONS, RUSS MEYER, JOHN CLEESE, NEO RAUCH, JIMMY PAGE, YOKO ONO u.v.m.

Hermann Vaske ist Regisseur, Autor und Produzent. Als Regisseur arbeitete er u.a.mit Schauspielern wie Dennis Hopper, Harvey Keitel, Sir Peter Ustinov und John Cleese. Er ist Grimme-Preisträger und wurde mit mehr als 100 Preisen ausgezeichnet, u.a. mehreren Cannes Lions und Clios. Die Frage „Why Are We Creative?” beschäftigt ihn seit 30 Jahren, in denen er die ganze Welt bereist hat, um von den bedeutendsten Kreativen der Welt zu erfahren, was sie antreibt. Der Film wurde in der Produktion von Hessen Invest und dem DFFF gefördert.

INTERVIEW MIT DEM REGISSEUR HERMANN VASKE

In den vergangenen 30 Jahren haben Sie u?ber 1.000 Ku?nstlern und Prominenten immer wieder dieselbe
Frage gestellt. Bitte erklären Sie uns an dieser Stelle: Warum sind SIE kreativ?
Neugierde. Ich bin extrem neugierig, wenn jemand etwas weiß und erzählt, kann ich extrem gut zuhören. Wenn
man mich fragt, was ich wirklich will, dann sage ich: „Überrasche mich! Bitte u?berrasche mich!“.
Erzählen Sie uns bitte, wie alles begann: Wer waren die ersten, die Sie vor der Kamera hatten? Wie hat
sich das alles entwickelt?
Ich wuchs in einer Realität auf, in der Regeln nie in Frage gestellt wurden. Als ich nach London kam, änderte sich
das alles. London swingte mich aus dieser Realität heraus und präsentierte mir das Leben aus einem anderen
Blickwinkel. Auf einmal konnte ich alles hinterfragen, was vorher nicht hinterfragbar erschien. Alles war erreichbar
und greifbar. In den 80er Jahren arbeitete ich dann bei Saatchi & Saatchi in London. Mein Mentor war der
Kreativdirektor Paul Arden. Er war „il supremo“ zu einer Zeit in den 1980er Jahren, als Saatchi & Saatchi die
größte und kreativste Agentur der Welt wurde. Eines Sommers besuchte ich Paul in seinem Landhaus in Sussex.
Es war eine warme Mittsommernacht, wir saßen mit Drinks am Lagerfeuer und fu?hrten eine lebhafte Diskussion.
Wir durchleuchteten, warum wir eigentlich tun, was wir tun. Ich schaute in den sternenklaren Himmel empor, da
traf mich eine Frage wie ein Blitz: „Warum sind wir kreativ?“ Paul sprang auf: „Das ist es! Das ist die einzige
Frage! Nichts weiter, nur das! Schreibe es auf! Nichts anderes als das!“ Der Rest ist Geschichte, naja, meine
Geschichte. Mir ging die Frage nicht mehr aus dem Sinn. Sie sollte zu meiner Mission werden: Ich bereiste die
ganze Welt, um in einer wahren Odyssee wildfremde Menschen zu fragen: „Warum sind Sie kreativ?“
Im Laufe der Jahre wurde die Frage zu einer Obsession in meinem Leben, bekam etwas Moby-Dick-haftes. Egal
welche Projekte und Themen ich in Film umsetzte – ob radikale Kunst oder das Zusammenspiel zwischen Kunst,
Geld und Werbung, der Balkan Spirit oder die kreative Bombe des Internets, bis hin zur Kunst des Fußballs oder
der Mode – war diese Frage und die Kreativität eine Konstante. Sie fu?hrte mich auf eine Reise, auf der ich tief in
die Welt der kreativen Stimuli eintauchte und viele der einflussreichsten Kreativen des späten 20. und fru?hen 21.
Jahrhunderts traf. Eine Reise durch die verschiedenen Facetten der Kreativität: ku?nstlerisch, intellektuell,
philosophisch und wissenschaftlich.
Was waren die abenteuerlichsten Umstände, unter denen Sie zu Antworten auf Ihre Frage kamen?
Hm, das ist nicht so leicht zu beantworten. Tony Kaye nahm ein Messer, schnitt sich ins Gesicht und träufelte sein
Blut als Manifestation seiner Kreativität auf ein Blatt Papier. Weniger messy, dafu?r aber mehr wie bei John Le
Carré ging es zu, als ich Vaclav Havel mitten im dichtesten Schneetreiben interviewte. Eine andere Temperatur
herrschte in der Sauna des Hotel Kempinski in Berlin, als ich plötzlich Richard von Weizsäcker vor mir sah. Wir
haben uns u?ber Kreativität unterhalten und gerieten dabei ganz schön ins Schwitzen. Als ich Ex-Präsident George
H.W. Bush traf, drohte die Situation zu eskalieren, da er meinte, ich hätte ihn gefragt, warum er kreiert worden sei.
„Why am I created?“, murmelte er. Als seine Sicherheitsleute drohend auftauchten, gelang es mir aber in letzter
Sekunde die Lage zu entschärfen und eine interessante Antwort zu bekommen. In Moskau erlebte ich Kreativität
unter dem Radar. Ich war eingeladen, um im Garage Museum meinen Film „Arteholic“ zu zeigen. Meine
Gastgeber erzählten mir, dass sie Kontakt zum Ku?nstler Pyotr Pavlensky, who nailed his balls to the Red Square,
hatten. Ich sagte: „Could you get me an interview with Pussy Riot?“ Keine 24 Stunden später filmte ich mit Masha
vor genau der Erlöser-Kirche, wo sie ihre rebellisch kreative Reise antraten.
Welcher Ku?nstler hat Sie am meisten u?berrascht? Wer hat den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen und
warum?
David Bowie. Er brachte die Essenz von Kreativität auf einen Nenner: „I am who I am. I am not afraid to be
different”. Wir hatten die Idee, ein Magritte-artiges Set zu kreieren. Ich schaute aus dem Fenster mit dem Ru?cken
zur Kamera. David selbst schaute in die Kamera und hatte großen Spaß an der Durchfu?hrung.
David Bowie sagt, Kreativität sei Spiel oder Krieg. Oder ein Hybrid aus beiden.
Uns interessiert Ihre Definition von Kreativität…
Kreativität bedeutet etwas in die Welt zu bringen, was es vorher nicht gegeben hat. Ein schönes Beispiel dafu?r ist
der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer. Unser Gespräch hat mich sehr beeindruckt. Er hat in den
brasilianischen Dschungel eine ganze Hauptstadt hinein kreiert, die es vorher nicht gegeben hat. Fu?r mich
bedeutet Kreativität zwei Sachen zusammen zu bringen, die nichts miteinander zu tun haben, um eine Dritte zu
schaffen. 1 + 1 = 3
Was denken Sie: Warum wissen viele große kreative Köpfe dieser Welt selbst nicht, warum sie kreativ
sind?
Als ich den Filmemacher Michael Haneke fragte, warum er kreativ sei, antwortete er: „Ich glaube, man sollte einen
Tausendfu?ßler nie fragen, warum er geht, dann fängt er an zu stolpern. Ich will es auch gar nicht wissen. Es gibt
dieses beru?hmte Beispiel von Gustav Mahler, der zu Freud gekommen war und sich analysieren lassen wollte.
Und Freud hat ihm gesagt: ‚Lassen Sie das, sonst verlieren Sie vielleicht Ihre Kreativität.’ Also, insofern ist die
Frage als solche an einen Kreativen gestellt, immer verhängnisvoll“. Deshalb trägt mein Film im Englischen den
Untertitel „The Centipede’s Dilemma“ – es ist das Dilemma des Tausendfu?ßlers…
Fu?r viele große Kreative ist das „Wie“ interessanter als das „Warum“. Game of Thrones-Autor George R.R. Martin
erzählte mir: „Ich weiß nicht, wo meine Kreativität her kommt – und mir macht Angst, dass sie eines Tages nicht
mehr zu mir kommen könnte. Dass eines Tages die Muse verstummt oder dass die linke Gehirnhälfte nicht mehr
mit der rechten Gehirnhälfte redet. Dann werde ich schweigen“.
Sie verfolgen Ihr Projekt seit 30 Jahren. Dabei sind viele hundert Stunden Material zusammen gekommen
– gedreht auch in unterschiedlichsten technischen Formaten. Was waren die größten Herausforderungen
fu?r Sie um diesen Film zu schaffen?
Die größte Herausforderung war den Schatz zu heben. Wir mussten alles adaptieren. Von den Audiokassetten,
die ich mit Billy Wilder aufgenommen hatte bis zu 16mm-Material, das ich mit Dennis Hopper in Marokko gedreht
hatte – 8mm-Material von Blixa Bargeld. Außerdem hunderte BetaSPs, Digibetas, Festplatten mit Material in HD,
2K und 4K. Es gab sogar Micro-Kassetten, auf denen ich mein Interview mit Claude Chabrol aufgezeichnet hatte.
Als ich die Kassetten digitalisieren wollte, musste ich feststellen, dass mir die Abspielkamera schon vor vielen
Jahren geklaut wurde. Und dass Sony das Format nach drei Jahren schon wieder einstellt hatte. Zum Glu?ck gibt’s
eBay. Kurz und gut: Die Herausforderung in der Postproduktion war es, aus diesem postmodernen Mischmasch,
eine kohärente Story zu machen. Mit Hilfe von Marie Charlotte Moreau und Valery Pierson von Michel Gondrys
Team, die fu?r Schnitt und Animationen verantwortlich waren, sowie mit der Musik von Blixa Bargeld und Teho
Teardo, haben wir daraus einen Film gemacht, der 30 Jahre wie in einer Zeitkapsel konserviert.
Warum gibt es auf die einfache Frage „Why Are You Creative?“ eigentlich keine einfache Antwort?
Weil einfach am schwersten ist.

75. Filmfestspiele von Venedig 2018

2018 Warsaw International Film Festival